Psylocybin Therapie

Aktualisiert:
09
September
2023
Autor/in
Lionel Schibli
Lionel ist einer der Gründer von New Eleusis und leitet alle Retreats. Seine Mission ist es, die Kraft des Pilzes zurück in die Zivilisation zu bringen.
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Psilocybinhaltige Pilze werden seit Jahrtausenden von Menschen konsumiert. In den 50er Jahren hat die Wissenschaft diese Substanz unter die Lupe genommen und festgestellt, dass sie bei vielen psychischen Erkrankungen eine Besserung bewirkt.

Psilocybin wird bei einer Vielzahl von Erkrankungen untersucht. Am meisten erforscht ist die Psilocybin-Therapie bei therapieresistenter Depression. Das betrifft weltweit 100 Millionen Menschen. Ein Drittel aller an schwerer Depression erkrankten Menschen sind Therapie-resistent. Daher werden wir uns im Folgenden am Beispiel der aktuell laufenden P-TRD-Studie an der Charité anschauen, welche Erfolgsquote erreicht wird, was Nebenwirkungen und was Gegenanzeigen sind. Zudem werden wir kurz umreißen, welche Mechanismen vermutlich dabei eine Rolle spielen und was es für mögliche Therapiekonzepte gibt.

Betonen wir hier nochmal, dass es hier nicht um Freizeitkonsum gehen soll oder um den Konsum durch nicht ärztlich diagnostizierte Menschen geht. Es geht um den Konsum mit dem Ziel der Heilung einer diagnostizierten schweren Depression.

Die Pilze-Einnahme wird meistens in drei Dosis Bereiche eingeteilt. Die hohe=psychedelische Dosis; die mittlere=psycholytische Dosis; die niedrige=Microdosis. Im Folgenden werden wir uns vor allem auf die beiden ersten Dosis Bereiche fokussieren. Zum Thema Microdosing wird es einen separaten Artikel geben.

Zudem spielt bei der Einnahme von Pilzen die Zeit vor und nach der Einnahme eine wichtige Rolle. Weil dies auch wieder ein weites Feld ist, werden wir auch hier das Thema kurz fassen und im Verlauf einen separaten Artikel verfassen.

Wenn dich die Geschichte hinter der Nutzung von Magic Mushrooms interessiert, schau dir mal unseren Beitrag dazu an.

Die größte Studie jemals durchgeführt – die P-TRD-Studie

Am bekanntesten und am besten erforscht ist Psilocybin im Rahmen einer Therapie-resistenten Depression (TRD). Therapie-resistent heißt, dass mindestens zwei leitliniengerechte medikamentöse Therapien keine befriedigende Verbesserung gebracht haben.

Aktuell nimmt die Charité in Berlin an einer Phase IIb Studie teil die sich mit Psilocybin-Therapie bei TRD befasst. Phase IIb heißt, dass es in dieser Studie darum geht, die optimale therapeutische Dosis zu finden. Das ist die größte randomisierte kontrollierte doppelblinde Studie jemals durchgeführt. Diese wird von der Stiftung COMPASS Pathways finanziert. 233 PatientInnen aus 10 Ländern wurden rekrutiert. Die Patientinnen wurden davor, nach und während der Sitzung psychotherapeutisch begleitet. Welche Therapie-Art verwendet wurde, wird nicht spezifiziert. Alle Teilnehmende hatten zuvor ihre Antidepressiva abgesetzt. Es wurden sämtliche Komorbiditäten, also Nebenerkrankungen, als Ausschlusskriterien gewertet. Das heißt nicht, dass diese weiteren Erkrankungen, wie zum Beispiel Sucht, eine Gegenanzeige für eine Psilocybin-Therapie sind. Sondern man wollte für die Studie ausschließen, dass die Veränderungen an etwas anderem gelegen haben könnten, als das Psilocybin. Darum hat man „reine“ depressive Menschen genommen. Damit man die Ergebnisse besser vergleichen kann.

Es wurden 3 Dosierungen untersucht: 1 mg (Mikrodosisbereich), 10 mg (psycholytischer Bereich), 25 mg (psychedelischer Bereich). Der Effekt einer einmaligen Dosis auf die depressiven Symptome nach Tag 2, Woche 3, Woche 6 und Woche 12 wurde untersucht.

Vorläufige Ergebnisse:

1mg Gruppe (79 PatientInnen)

Nach 3 Wochen zeigten 18% ein Ansprechen; 8% (immerhin 6 Patienten von 23) zeigten eine Remission

Nach 12 Wochen zeigten noch 10% eine anhaltende Wirkung

10 mg Gruppe (75 PatientInnen)

hat keinen signifikanten Unterschied zu der 1 mg Dosis gezeigt: 2,5 Punkte Verbesserung nach 3 Wochen. Hatte also ähnliche Ergebnisse wie die 1 mg Gruppe.

25mg Gruppe (79 PatientInnen)

zeigen eine signifikante (p<0,001) Verbesserung im Vergleich zu der 1 mg Gruppe von Tag 2 bis 6 Wochen nach der Einnahme. Im Mittel haben sie, 3 Wochen nach der Einnahme, 6,6 Punkte weniger auf der MADRS (Montgomery-Åsberg Depression Rating Scale) gehabt, als die 1 mg Gruppe. Das heißt, dass der Schweregrad der Depression um so viele Punkte besser wurde.

Nach 3 Wochen zeigten 37% ein Ansprechen, 29% zeigten eine Remission. Also insgesamt 66% Ansprechen!

Nach 12 Wochen zeigten 24% eine anhaltende Wirkung.

Unterm Strich kann man daraus ziehen: In der 25mg Gruppe wurden vorübergehend 30% von ihrer Depression komplett geheilt und weitere 37% zeigten mindestens eine Halbierung ihrer Beschwerden. Nach 12 Wochen zeigten circa 24% weiterhin eine Halbierung ihrer Beschwerden.

Dass eine einzige Einnahme bei so vielen Menschen über mehrere Wochen eine Verbesserung auslöst, ist bisher nur von Psychedelika bekannt. Im Vergleich zu Sertralin, dem meist verschriebene Antidepressivum 2021: „We found no evidence that sertraline led to a clinically meaningful reduction in depressive symptoms at 6 weeks“. Sertralin zeigte nach 6 Wochen keine eindeutige Verbesserung der Depression. Ab 12 Wochen täglicher Einnahme wirkt Sertralin erst auf die depressiven Symptome.

Nebenwirkungen, Gegenanzeigen und Risiken

Die häufigsten Nebenwirkungen, die bei 10% der PatientInnen aufgetreten sind, werden als leicht- bis mittelschwer eingestuft:

  • Kopfschmerzen,
  • Übelkeit,
  • Schlappheit
  • Schlafstörungen.

Diese waren spätestens nach 24 Stunden weg.

Von den 233 Patienten aus der Compass Studie haben 12 schwere Nebenwirkungen gezeigt ((5% aller PatientInnen):

  • suizidales Verhalten
  • absichtliche Selbstverletzung
  • Selbstmordgedanken

Am häufigsten waren sie bei der 25mg Gruppe. Gleichzeitig wurde im Paper vermerkt, dass diese Verhaltensweisen in dieser PatientInnen-Gruppe sowieso gehäuft vorkommen. Daher ist es etwas komplexer abzugrenzen, was von der Erkrankung kommt und was von der Substanz.

Gegenanzeigen

Körperliche Vorerkrankungen

Für den Körper ist Psilocybin ungefährlich. Als mögliche Gegenanzeigen werden dennoch eine

  • Instabilität des Herz-Kreislauf-Systems oder der Lunge

manchmal aufgeführt. Das hat den Hintergrund, dass diese durch emotionale Zustände wie Erregung und Angst manchmal sich verschlechtern können. Der Puls und der Blutdruck können hochgehen, in einem grundsätzlich ungefährlichem Maße, es sei denn, man hat bereits eine besondere Schwäche. Am besten sprichst du mit einem Arzt, wenn du dir unsicher bist, ob das auf dich zutrifft.

  • Schwangerschaft oder Stillzeit

Bisher ist keine Fruchtschädigende Eigenschaft bekannt. Dennoch, aus Mangel an Wissen über die möglichen Folgen, wird Schwangeren und stillenden Müttern abgeraten, Pilze zu konsumieren.

  • Epilepsie

Es ist bekannt, dass halluzinogene Substanzen wie Psilocybin Epileptische Anfälle bei Menschen mit einer besonderen Anfälligkeit auslösen können.

Psychische Vorerkrankungen

In der Literatur wird nach dem aktuellen Stand der Forschung, bei folgenden Erkrankungen stark abgeraten, Psilocybin zu konsumieren:

  • Schizophrenie bei dir selbst oder in der Verwandtschaft 1. Grades
  • Manisch-depressive Erkrankung bei dir selbst oder deiner Verwandtschaft ersten Grades
  • Asperger-Autismus
  • Borderline-Störung

Das hat zum Teil den Hintergrund, dass man vermutet, dass Halluzinogene eine schlummernde Erkrankung wie die Schizophrenie wecken können, die vielleicht nie aufgetreten wäre. Zum anderen befürchtet man bei einer Grund Instabilität in Bezug auf die Wahrnehmung der Realität bzw. einer emotionalen Instabilität wie bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS), dass die Erfahrung mehr Instabilität reinbringt

Risiken

Was die Wirksamkeit des Pilzes ausmacht, ist auch seine herausfordernde Seite. Betrachten wir die psychedelische Erfahrung wie einen Wirbelsturm. Wenn du etwas verändern möchtest in deinem Leben, in deiner Persönlichkeit, hilft dir der Pilz indem er dir hilft, gewisse Konstrukte abzubauen. Das hilft, um Neues aufzubauen. Es schafft neuen Freiraum. Gleichzeitig stehst du möglicherweise dann erstmal eine Zeit da, vor abgebauten Konstrukten, die dir vorher möglicherweise Halt und Sicherheit gespendet haben, Orientierung. Nun sind sie nicht mehr da. Das kann einen für eine Zeit instabil machen. Das kann verunsichern, Angst machen. Wenn du diese Zeit und diesen Zustand, die normal und gut sein können, gut durchleben möchtest, können folgende Sachen helfen und wichtig sein:

Deine Ressourcen: Menschen, Aktivitäten, Gewohnheiten, die dir gut tun im Alltag, dich beruhigen, die glücklich machen, dir Kraft, Erholung, Halt spenden. Psychisch darauf vorbereitet sein, wissen, dass es passieren kann, normal ist, und vorbei geht. Einen Menschen haben, den du um Rat und Hilfe bitten kannst. Der dir deine Ängste nehmen und dir Tipps geben kann. In manchen Fällen kann und solltest du sogar professionelle Hilfe dazu holen. Je Instabiler du dich vor der Erfahrung schon fühlst, desto eher ist es geraten, dir vorher schon eine Psychotherapie zu organisieren.  Geduld, es wird vorbeigehen. Was du alles in dieser Zeit – der Integration – machen kannst, erfährst du in einem separaten Artikel. Und im besten Falle kann und wird das alles auch Spaß machen. Du bekommst die Chance, dich selbst neu zu erfinden. Was für ein spannendes Abenteuer.

Was sind die Mechanismen dahinter?

Es gibt viele Ebenen, auf denen man bei Psilocybin Wirkmechanismen herausgefunden hat oder vermutet. Robin Carhart-Harris fasst in seinem Paper How do Psychedelics Work? Von 2019 alle Ebenen auf, auf denen Psychedelics einen Einfluss haben: molekular, neurobiologisch, anatomisch, erfahrungsbasiert…

Derzeit geläufige und gesicherte Mechanismen sind : Molekulare Ebene: der 5 HT-2A Rezeptor. Die Aktivierung dieses Rezeptors scheint einerseits das Default Mode Network (DMN) herunterzufahren und mit dem Erleben einer mystischen Erfahrung korreliert zu sein. Die mystische Erfahrung korreliert wiederum mit langfristigen Verbesserungen in Laune und Wohlbefinden . Korrelation heißt erstmal nur, dass beide oft gemeinsam auftreten. Nicht unbedingt, dass das eine für das andere notwendig ist. Es gibt Pharmaunternehmen, die versuchen ein Molekül zu entwerfen oder zu entdecken, welches die gleichen therapeutischen Wirkungen wie Psychedelics zeigt, ohne dafür eine psychedelische Erfahrung haben zu müssen. Das ist besonders für Menschen interessant, die wegen einer Vorerkrankung lieber keine Psychedelics nehmen sollten.

Psilocybin wirkt auch über einen neuroplastischen Effekt.  Dieser ist nicht ausschließlich bei Psychedelics bekannt und könnte eine unabhängige Wirkung sein, dh. die auch ohne mystische Erfahrung auftritt.

In seinem Paper The Subjective Effects of Psychedelics May Not Be Necessary for Their Enduring Therapeutic Effects schreibt Olson, dass er zwar vermutet, dass eine mystische Erfahrung nicht notwendig, dennoch für das bestmögliche therapeutische Ergebnis möglicherweise unverzichtbar sei.

Was gibt es für Therapie-Konzepte?

Dosis, Einzel- oder Gruppensetting, mit begleitender Psychotherapie während der Sitzung oder ohne. Lass uns ein Paar etablierte Konzepte vergleichen.

Was die Dosis angeht, gibt es 3 Bereiche, in denen man sich bewegen kann. Microdosing, psycholytische Dosis, psychedelische Dosis.

Die Mikrodosis. Per Definition sind es circa 1/10 bis 1/20 der psychedelischen Dosis. Diese wird ungefähr alle 3-4 Tage eingenommen, über einen Zeitraum von 1-2 Monaten. Siehe das Microdosing Protokoll von James Fadiman. Diese Art von Therapie wird manchmal zur Aufrechterhaltung nach einer Gipfelerfahrung durchgeführt, oder aber einfach so. Die Veränderungen sind subtiler und nehmen einen längeren Zeitraum in Anspruch. Dafür ist sie mit dem Alltag vereinbar. Wenn auch nicht mit jeder beruflichen Tätigkeit unbedingt harmonisch: Erfahrungsgemäß eignet sich Microdosing von Pilzen am besten mit Tätigkeiten im kreativen Bereich, in Jobs wo du relativ frei arbeiten kannst.  Da Microdosing einerseits weniger erforscht ist im Rahmen der TRD ist und andererseits etwas anders zu wirken scheint als höhere Dosen, werden wir das Thema Microdosing hier nicht weiter vertiefen. Mehr Informationen wirst du in einem weiteren Artikel finden.

Hier kannst du dir schonmal eine Studie anschauen, die Persönlichkeitsmerkmale und Depression/Angst vor und nach dem Mikrodosen mit Psilocybin untersucht hat. Raus kam unter anderem eine signifikante Verbesserung der Depressionssymptome und des Stresses. Dazu muss man aber sagen, dass explizit an Depression erkrankte Menschen ausgeschlossen wurden. Es wurden gesunde oder nicht diagnostizierte Menschen untersucht. Weitere Untersuchungen sind daher notwendig.

Die psycholytische Dosis. Bei diesem Ansatz verabreicht ein Therapeut dem Patienten eine Dosis, die von der Wirkung her zwischen einer Microdosis und einer vollen Dosis liegt. Ziel dabei ist es einen deutlich spürbaren psychischen Effekt zu merken, ohne dass die hohen kognitiven Fähigkeiten – Sprechen, logische Denkfähigkeit, Kommunikation mit einem anderen Menschen – zu sehr beeinträchtigt sind. Der Patient hat einen vereinfachten Zugriff auf seine Erinnerungen und seine Emotionen. Das gibt dem therapeutischen Prozess einerseits die Möglichkeit an Gedanken und Erinnerungen heranzukommen, die ansonsten ganz im Unbewussten liegen bleiben würde. Andererseits gehen die Prozesse insofern schneller, dass weniger Abwehrmechanismen aktiv sind und der wahre Kern des Themas schneller an die Oberfläche kommen kann.

Vorteile: Du kannst versuchen, deine ausgewählten Themen anzusprechen und anzugehen.

Nachteil: Du bleibst in gewisser Weise immer noch mehr auf der kognitiven logischen Ebene, dadurch, dass du redest und mit anderen Menschen verbal kommunizierst. Ein mystisches Erlebnis, welches mit besseren Heilungsergebnissen korreliert, ist unwahrscheinlich.

Die psychedelische Dosis, die hohe Dosis. Einzelne Gipfelerfahrungen. Du liegst zum Beispiel mit geschlossenen Augen und passender Musik auf einer bequemen Matratze.

Dein Guide ist in der Nähe. Entweder im selben Raum oder in einem Raum nebenan. Der Guide greift so wenig wie möglich und so viel wie nötig in deinen Prozess ein. Die Substanz lenkt und heilt. Möglicherweise wird in den ganzen 4-6 Stunden überhaupt nicht geredet oder interagiert.

Vorteile: Es erlaubt dem Neokortex, dem rationalen Denken, komplett runterzufahren, um tiefere Veränderungen anzustreben und zu ermöglichen; die Themen werden teils vom Patienten, teils vom Pilz ausgesucht und durch gelebt. Das hat den Vorteil, dass auch unerwartete, unbewusste Themen auftauchen können, auf die dein Therapeut oder du nicht gekommen wären. Erfahrungsgemäß sind es dann auch wichtige, vorrangige Themen.

Nachteil: Du solltest dir mindestens ein bis zwei Tage frei nehmen nach einer Hochdosis-Erfahrung, es kann sein, dass du danach etwas geschlaucht bist, Lust auf Ruhe hast.

Bei einer Einzelsitzung bist du alleine mit deinem Guide. Das hat den Vorteil der vollen Aufmerksamkeit deines Guides und keiner Ablenkung durch Dritte. Der Nachteil dabei ist, dass die möglicherweise schöne Erfahrung der Verbundenheit mit weiteren anwesenden Menschen nicht ganz so stark stattfindet wie in einer Gruppe.

Bei einer Gruppensitzung bist du mit mehreren Menschen und einem oder mehreren Guides zusammen in einem Raum. Das hat den Vorteil, dass die Prozesse der anderen Menschen im Raum auch eine Hilfe bei deinem eigenen sein können, eine Bereicherung sein können und eine Erfahrung der Verbundenheit mit den Anwesenden entstehen kann. Der Nachteil ist, dass die Geräusche der anderen dich auch aus deiner Vertiefung holen können und dich dadurch stören, nerven können.

Wie viele Sitzungen brauche ich, bis die Depression besser wird?

Manche Menschen sind nach einer Sitzung komplett geheilt (siehe Studienergebnisse). Manch andere haben nach einer Sitzung eine signifikante Verbesserung. Andere kommen unzufrieden aus der Erfahrung heraus. Merken jedoch im Verlauf, wozu das ganze gut war.

Mit Psilocybin kann man nicht, wie mit anderen Psychopharmaka, mathematisch sicher errechnen, was für eine Wirkung in welchem Zeitraum eintritt. Zudem kann es nach einer Verbesserung mit der Zeit wieder bergab gehen. Es gibt also keine Garantien. Dennoch ist es bisher scheinbar die wirksamste Medizin im Bereich der Depression. Dr. David J. Hellerstein, einer der Hauptuntersuchender der Studie und Professor der Psychiatrie an der Columbia Universität hat gesagt: “Die Remissionsrate scheint höher zu sein als in traditionellen medizinischen Studien”.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Zeit nach der Sitzung. Die sogenannte Integration. Diese Phase ist ein essentieller Bestandteil der Therapie, in der du das Erlebte ruhen lässt, im Unterbewussten arbeiten lässt oder auch zum Ausdruck bringst durch kreative Arbeit zum Beispiel. Das wird mitentscheiden, wie viel du von der Erfahrung langfristig mitnimmst und wie es dir danach geht. Mehr zum Thema Integration werden wir in einem separaten Artikel verfassen.

Antidepressiva absetzen

In der P-TRD-Studie haben die PatientInnen alle ihre Antidepressiva abgesetzt.

Früher dachte man, dass Psilocybin und Antidepressiva zusammen ein Serotonin-Syndrom auslösen könnten, der tödlich verlaufen kann. Und man nahm an, dass Antidepressiva die Wirkung des Psilocybins vermindern.

In dieser Studie hier hat man es mit Escitalopram getestet. Man hat eine doppelblinde randomisierte Placebo-kontrollierte Crossover Studie an gesunden (nicht depressiven) Probanden durchgeführt. Eine Gruppe hat 14 Tage lang Escitalopram bekommen (7 Tage 10 mg und 7 Tage 20 mg) und die andere Gruppe 14 Tage lang ein Placebo. An Tag 14 wurde allen 25 mg Psilocybin verabreicht, 2 Stunden nach der letzten Medikamenteneinnahme. Nach 2 Tagen  tauschten die Gruppen die Behandlung und nahmen nochmal nach 14 Tagen 25 mg Psilocybin. Das Ergebnis war : keine Minderung der als angenehm empfundenen Wirkung des Psilocybins wie Einssein mit allem oder mystisches Erlebnis. Gleichzeitig beobachtete man eine Minderung der beängstigenden Ego-Auflösung. Escitalopram verminderte die Blutdruck- und Pulserhöhung sowie Psilocybin-Nebenwirkungen.

Escitalopram scheint also keine Kontraindikation zu sein. Weitere Untersuchungen sind dennoch notwendig, um herauszufinden, wie es sich verhält, wenn das Escitalopram länger eingenommen wurde. Und wie es sich bei schwer depressiven Menschen verhält.

Aus Erfahrung wissen wir auch, dass manch andere Antidepressiva durchaus die Wirkung des Psilocybins unterdrücken.

Falls du überlegen solltest, deine Antidepressiva abzusetzen, um eine Magic Trüffel Erfahrung zu machen, hier ein Paar Tipps: Tu es nicht alleine. Lass dich von einem Therapeuten begleiten. Das Absetzen kann Entzugssymptome mit sich bringen und es kann zu einer Verschlechterung deiner Stimmung kommen. Das solltest du am besten nicht alleine durchmachen. Zudem gibt es PatientInnen, die berichten, dass sie nach dem Absetzen ihres Antidepressivums nicht mehr drauf angesprochen haben und auf ein neues umsatteln mussten.

Es kann sich durchaus sehr lohnen, den Prozess des Absetzens durchzumachen, wenn du es dir zutraust und notwendig zu sein scheint. Dennoch solltest du dich mit den möglichen Risiken auseinandersetzen.

Weitere Indikationen

Wir haben uns jetzt mit der Therapie der TRD befasst. Es gibt viele weitere Erkrankungen, bei denen Psilocybin in hohen wie auch in Mikrodosen helfen könnte. Suchterkrankungen, Angststörungen, Posttraumatische Belastungsstörung; aber auch körperliche Leiden wie der Cluster-Kopfschmerz, Phantom-Schmerzen, entzündungsbasierte Erkrankungen wie Alzheimer. Hier findest du die ganze Palette an Erkrankungen aufgelistet, an denen derzeit geforscht wird. Interessanterweise sind da Erkrankungen bei, die aktuell als Gegenanzeige gelten, z.B. Epilepsie oder die Borderline-Persönlichkeitsstörung.

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, unseren Artikel zu lesen.

Wenn du dir ein Thema für unseren nächsten Artikel wünschen möchtest, schreib es uns gerne in die Kommentare.

Geschrieben von Barbara Morin

Weiterführende Literatur zum Thema Psilocybin-Therapie:

Meckel Fischer, Frederike: THERAPIE MIT SUBSTANZ

Guss, Jeffrey et coll. : YALE MANUAL FOR PSILOCYBIN-ASSISTED THERAPY OF DEPRESSION

Wie fühlt sich eine psychedelische Erfahrung an – Blogartikel

Quellen:

1  https://psychiatrie.charite.de/forschung/pharmakopsychotherapie/psilocybin_trd_studie/

2  gilt als Goldstandard in der Medizin

3 Diese Stiftung ist unter anderem auch dafür bekannt, dass sie 2018 die Food and Drug Administration dazu gebracht hat, Psilocybin als „Breakthrough Therapy“ einzustufen. Das ermöglicht eine schnellere und vereinfachte Forschung an diesem noch als illegal und von keinem medizinischen Nutzen eingestuften Mittel.

4 Quelle: https://ir.compasspathways.com/node/7516/pdf

5 Ein Ansprechen wird so definiert, dass die Symptome um mindestens 50% zurückgegangen sind.

6 Remission wird definiert als ein MADRS Score von ≤ 10

7 anhaltende Wirkung wird definiert als ein Ansprechen in der 3. und in der 12. Woche, plus ein Ansprechen in der 6. oder 9. Woche

8 „Die Montgomery–Åsberg Depression Rating Scale (MADRS) ist ein Fragebogen zur Fremdbeurteilung des Schweregrads eines depressiven Syndroms. Der Beurteilungszeitraum bezieht sich auf die vergangene Woche. Der Fragebogen besteht aus 10 Fragen. Die Fragen werden auf einer 7-stufigen Skala von 0 bis 6 bewertet. Der Gesamtwert kann nach dem Aufsummieren zwischen 0 und 60 liegen.“ Wikipedia

9  Quelle: https://a1apotheke.com/beste-antidepressiva

10 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31543474/

11 Gable RS. Comparison of acute lethal toxicity of commonly abused psychoactive substances. Addict Abington Engl. Juin 2004 ; 99(6) :68696.

12  “Darüber hinaus kann Psilocybin den Blutdruck und Herzschlag erhöhen, allerdings nicht auf gefährliche Höhen.” Quelle: https://psychiatrie.charite.de/forschung/pharmakopsychotherapie/psilocybin_trd_studie/

13 https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT05399498. Im Dezember 2022 beginnende Studie von der University of Chicago und dem Usona Institut, die untersuchen möchte, ob und wenn dann unter welchen Bedingungen eine Psilocybin Therapie bei Depressiven Menschen mit der Nebenerkrankung Borderline-Persönlichkeitsstörung, hilfreich sein könnte.

14 Artikel zum über den möglichen Nutzen/Schaden von Psilocybin bei BPS: https://psychedelicreview.com/psychedelic-therapy-for-borderline-personality-disorder/

15 Das DMN sind im Gehirn anatomisch getrennte Regionen (Präfrontaler Cortex, Thalamus, Cingulum..) die jedoch gemeinsam aktiv oder inaktiv werden. Ein sogenanntes funktionelles System. Im normalen Bewusstseinszustand sind sie aktiv. Unter Psilocybin werden sie weniger aktiv. Das korreliert und verursacht vermutlich die subjektive Erfahrung des sich Auflösens, eins zu werden mit Allem, zu sterben, des Ego-Todes

16 Griffiths R. R. et coll.  (2016) Psilocybin produces substantial and sustained decreases in depression and anxiety in patients with life-threatening cancer: A randomized double-blind trial. J. Psychopharmacol. 30, 1181–1197.

17 Ross S. et coll. (2016) Rapid and sustained symptom reduction following psilocybin treatment for anxiety and depression in patients with life-threatening cancer: a randomized controlled trial. J. Psychopharmacol. 30, 1165–1180.

18  Roseman L.; Nutt D. J.; Carhart-Harris R. L. (2018) Quality of Acute Psychedelic Experience Predicts Therapeutic Efficacy of Psilocybin for Treatment-Resistant Depression. Front. Pharmacol. 8, 974. 10.3389

19 Olson D. E. (2021) The Subjective Effects of Psychedelics May Not Be Necessary for Their Enduring Therapeutic Effects. ACS Pharmacol Transl Sci, 4(2): 563–567

20 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6364961/

21 https://ir.compasspathways.com/node/7516/pdf

22  Becker, Anna M. (2021). Acute Effects of Psilocybin After Escitalopram or Placebo Pretreatment in a Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled, Crossover Study in Healthy Subjects. Clinical Pharmacology & Therapeutics, 886-895. doi:10.1002/cpt.2487

23 https://www.mdpi.com/1420-3049/26/10/2948/htm